Richemont kauft Uhrenplattform Watchfinder

Das Uhrenportal Watchfinder kauft und verkauft gebrauchte Premium-Uhren.

Richemont kauft die britische Uhrenplattform Watchfinder.co.uk. Das Unternehmen kauft und verkauft online, aber auch in Boutiquen, gebrauchte Premium-Uhren. 


Luxusgüterkonzern Richemont kauft die britische Uhrenplattform Watchfinder.co.uk. Das 2002 gegründete Unternehmen kauft und verkauft online und in sieben Boutiquen gebrauchte Premium-Uhren. Konkrete Angaben zum Preis der Transaktion machte Richemont keine. Watchfinder passe zusammen mit dem gerade ganz übernommenen Onlineverkäufer Yoox Net-a-Porter und der Beteiligung am Reisedetailhändler Dufry in die eingeschlagene Handelsstrategie von Richemont, die sich an den Bedürfnissen einer “anspruchsvolleren” Kundschaft orientiere, so die Mitteilung. Außerdem betreibe Watchfinder auch ein “sehr gutes” Kundenservice-Center. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 200 Mitarbeiter. Richemont-Präsident Johann Rupert erhofft sich vom Zukauf Wachstum in einem noch wenig strukturierten Geschäft in der Uhrenindustrie, wie er in der Mitteilung verlauten lässt (Quelle: finanztrends.info).

„Kleiner Deal, große Bedeutung“, schreibt die Handelszeitung zu dem Thema. Denn immerhin ist Richemont mit diesem Kauf einer der ersten Hersteller, die im großen Secondhand-Uhrenteich selbst mitfischen. Audemars Piguet hatte bereits Anfang des Jahres eine Ankündigung dahingehend gemacht.

Der Vintagemarkt wird ein immer interessanterer – auch für die Hersteller selbst. Denn während Rolex, Omega & Co. mit neuen Uhren rund 20 Mrd. Franken umsetzen, wird der Secondhand-Markt auf einen 10 bis 15 Mal so großen Wert geschätzt – genaue Zahlen kennt niemand. Mit diesem Schritt hat Richemont diesem Markt eine Bedeutung zugemessen, die viele andere wohl noch nicht erkannt haben. Sollte es Richemont gelingen und Watchfinder in den nächsten Jahren international etabliert werden, könnten Plattformen wie „Chrono24“ oder „Tourneau“ (der vor Kurzem von Bucherer gekauft wurde) Gegenwind bekommen und zumindest ein Teil der Wertschöpfung zurück in die Schweiz geholt werden.

Synergien mit Yook-Net-a-Porter

Neben den bereits genannten Vorteilen eröffnen sich durch den Watchfinder-Kauf für Richemont weitere spannende Synergien. Schließlich lässt sich die Uhren-Plattform doch recht einfach in die Geschäftsfelder integrieren, die Richemont mit Net-a-Porter und Mr Porter abdeckt. Außerdem könnte sich die Gruppe als Händler von Drittmarken wie Rolex, Omega oder Breitling (Georges Kerns Marke ist bereits bei Mr Porter eingestiegen) etablieren.

Graumarkt eindämmen

Einen weiteren Vorteil, den man sich bei Richemont durch den Kauf wohl erhofft, ist die Eindämmung bzw. Kontrolle des Graumarktes. Auch Francois-Henry Bennahmias von Audemars Piguet hatte bereits mit diesem Argument gepunktet. Immerhin könnte man so mehr Kontrolle über Preise im Secondhand-Markt und damit auch im Geschäft mit neuen Uhren haben und den Wert der eigenen Marken schützen.

Wie viele Hersteller und Marken hier noch folgen werden, bleibt offen. Klar ist aber schon heute, dass der Secondhand- oder Vintagemarkt boomt. Der Juwelier sollte allerdings zusehen, dass er nicht auf der Strecke bleibt.

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