Richemonts Online-Strategie

Angeblich hat Richemont 110 Mio. Euro für die englische Uhren-Plattform Watchfinder bezahlt.

Erst kauft Bucherer den US-Riesen Tourneau mitsamt seiner Gebrauchtuhren-Sparte, dann legt Richemont nach und übernimmt die englische Uhrenplattform Watchfinder. Nun wurden erste Zahlen publik.


Richemont arbeitet an einer riesigen E-Commerce-Strategie. Im Mai wurde bekannt, dass der Konzern wohl drei Mrd. Euro in die Hand genommen hat und nun 94,9 % aller YNAP-Aktien hält. Somit ist der Luxuskonzern Inhaber des größten Online-Shops für Luxusgüter, Net-A-Porter, sowie des Tochterunternehmens Mr Porter, dem weltweit wichtigsten Online-Herrenausstatter. Mr Porter baut derzeit sein Uhren-Engagement stark aus, zuletzt hat Bretiling eine Kooperation bekannt gegeben.

Der neue Zukauf Watchfinder gilt als kleine, feine britische Uhren-Plattform. Vorwiegend werden Schweizer Luxusmarken im Internet und sieben stationären Geschäften in Großbritannien verkauft. Zudem gibt es eine Uhren-Werkstatt. Das Unternehmen mit derzeit rund 200 Mitarbeitern wurde 2002 gegründet und arbeitet wohl seit Jahren profitabel. Der Umsatz hält sich mit angeblich 160 Millionen Franken für Richemont-Verhältnisse in Grenzen. Chrono 24 setzt im Vergleich dazu laut Geschäftsführer Tim Stracke eine Mrd. Euro pro Jahr um. Laut britischem Handelsregister liegt die operative Marge von Watchfinder bei knapp 6 % und damit in ungefähr gleicher Höhe wie bei Händlern die neue Uhren verkaufen. Laut der Bank Vontobel soll Richemont rund 110 Mio. Euro für Watchfinder bezahlt haben. Offizielle Angaben zum Preis der Transaktion gibt es nicht.

Die große strategische Bedeutung des Kaufs wird auch an einer Personalien sichtbar. Mitte Juli ist der 31-jährige Sohn von Patron Johann Rupert, Anton, zum Verwaltungsrat von Watchfinder ernannt worden. Somit liegt Watchfinder als Dreh- und Angelpunkt der Digitalstrategie des Konzerns in direkter Familienhand.

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