Tim Stracke: Gebrauchte Uhren mit höchstem Wachstumspotenzial

Im Interview mit dem “Handelsblatt” sagte Chrono24-Chef Tim Stracke, der Markt mit gebrauchten Uhren habe “mit Abstand das größte Wachstumspotenzial”.


Der Online-Handelsplatz Chrono24 boomt: 210 Beschäftigte auf drei Kontinenten. Das Handelsvolumen lag 2018 bei über 1,3 Milliarden Euro. Im Interview mit dem “Handelsblatt” verriet CEO Tim Stracke, man verdiene Geld dadurch, dass Händler und Privatpersonen dafür zahlen, wenn sie ihre Uhren auf der Plattform präsentieren. Hinzu komme eine kleine Gebühr, wenn das Produkt auf der Seite verkauft würde. Im Gegenzug bringe Chrono24 auf globaler Ebene täglich rund 400.000 Akteure zusammen und organisiere für die Recherche, den Handel, aber auch die Liebhaberei von Luxusuhren die Infrastruktur, Inhalte – und vor allem Sicherheit.

Zum Fall Nomos erklärte der CEO, dass man hätte den Eklat verhindern können, wenn alle Seiten im Vorfeld mehr mit- als übereinander gesprochen hätten. Selbst Wempe, der sofort alle Verträge mit Nomos gekündigt hatte, weil die Marke auch über Chrono24 ihre Produkte verkauft, “überschätzt womöglich die Gefahren und unterschätzt, inwieweit die Nomos-Entscheidung wieder gut fürs eigene Geschäft sein könnte.” Es gebe viele Uhrenfans, die Chrono24 eher als Info-Seite wahrnehmen und ihre Uhr am Ende doch in einer Boutique kaufen.

Auf Trends angesprochen sagt Stracke, er glaube, dass der Markt für gebrauchte Uhren das mit Abstand größte Wachstumspotenzial habe. “Viele sprechen schon von dem `neuen China´“. Neue Studien würden mit Steigerungen von rund neun Prozent jährlich und einem Gesamtvolumen von etwa 15 Milliarden Euro rechnen. Auch das Geschäft mit Millennials werde weiter stark wachsen. Außerdem werde die Internet-Affinität auch bei sehr klassischen Marken weiter steigen. Viele überlegten ja derzeit, selbst einen Onlineshop zu eröffnen. “Das sind also gleich drei Entwicklungen, die uns durchaus in die Karten spielen”, so Stracke.