Fazit zum Fall Nomos

Der Fall Nomos hat eine Wendung genommen, die absehbar war. Unternehmensberater Ralf Scharenberg hat eine Absichtserklärung unterschrieben. Somit wurde einer der Mutigen in dieser Sache juristisch still gelegt. Aber trotzdem hat uns der Fall Nomos weiter gebracht, findet Ulrich Voß, Chefredakteur „Blickpunkt Juwelier“.


Der Fall Nomos hat erstens offengelegt, dass Hersteller mit allen Mitteln versuchen möglichst viele Absatzkanäle zu bedienen. Hier wird Nomos nicht das einzige Beispiel bleiben – beziehungsweise ist Sinn Spezialuhren bereits gefolgt und hat ebenfalls eine direkte Kooperation und Belieferung mit Chronext publik gemacht. Zum anderen zeigt sich eine in der Branche nie für möglich gehaltene Kraft. Nahezu 30 Juweliere hatten ihre Solidarität bezeugt und sind dem Beispiel des Kollegen Christoph Kuhnle aus Fürth gefolgt. Für ihn hatte Nomos mit der Belieferung von Chronext und Chrono24 eine rote Linie überschritten. Dies wollte er nicht akzeptieren. So wie Wempe, der kurzerhand die Zusammenarbeit mit Nomos in allen Filialen gekündigt hat. Die Solidarität war überwältigend. In Zahlen ausgedrückt hatte sie ein EK-Volumen von 2,2 Mio. Euro, hatte Scharenberg ausgerechnet. Hätten alle Juweliere, die die Petition unterschrieben haben, mitgezogen, wären Nomos 2,2 Mio. Euro EK-Volumen entgangen. Bereits der Rückzug von Wempe war für Nomos ein schwer zu verkraftender Rückschlag. Wären diese 2,2 Mio. Euro noch hinzugekommen, hätte es ernsthafte Probleme geben können. Dies ist juristisch nun abgewendet worden. Ralf Scharenberg wird eine Absichtserklärung unterschreiben, in der er seine Aufforderung widerruft, dass die Nomos-Konzessionäre ihre Konzession zurückgeben, sofern Nomos nicht die Zusammenarbeit mit den Handelsplattformen Chronext und Chrono24 beendet.

Diese ist ein Etappensieg. Keine Frage. Der Lieferant saß mit Anwalts Hilfe am längeren Hebel. Doch der Fall Nomos hat einen Umdenkprozess in Gang gebracht. Mittlerweile müsste jedem Juwelier klar sein, dass er nur einer von mehreren Optionen ist. Wenn nicht über Chronext und Chrono24, so werden Hersteller oder Distributeure über andere Kanäle verkaufen – auch offiziell.

Dem Juwelier bleibt die Erkenntnis, sich seine Partner genauer anzusehen. Nomos war treu. Ist gemeinsam mit dem Juwelier und einer insgesamt fantastischen Distribution in Deutschland zum Marktführer in der Preisklasse zwischen 1.000 und 4.000 Euro geworden. Heute aber werden die Karten neu gemischt.

Der Juwelier braucht attraktive Produkte. Nach derzeitigem Stand sieht es so aus, als ob die Zahl der juwelier-treuen Hersteller zurückgeht. Vielleicht braucht es in Zukunft eine andere Art von Lieferant. Zu einfach war es in der Vergangenheit, einfach Uhren ins Schaufenster zu stellen und auf Käufer zu warten. Womöglich braucht jeder Händler seine eigene Uhr oder zumindest seinen eigenen Style – und nicht das Best-of der Schweizer Top-Marken.

Ergo: Einfacher wird es 2019 nicht für den Uhrenverkäufer. Aber Handel war eigentlich immer Wandel – nur beim Juwelier hat der Handel ohne Wandel nun jahrzehntelang nach dem gleichen Schema und mit den nahezu gleichen Protagonisten funktioniert. Die Erfolge des E-Commerce mit Luxusuhren haben gezeigt, dass auch andere Kanäle diese scheinbar einfache Aufgabe des Reinverkaufs von begehrten Uhren gewältigen können. Als reiner Händler hat der Juwelier also Mitbewerb erhalten. Als Handwerk dagegen nicht – auch weil reiner E-Commerce es nicht kann.