Der Fall Nomos: Einschätzungen von „Blickpunkt Juwelier“

Nomos und seine neueste Zusammenarbeit mit Chronext und Chrono24 sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Wempe hat die Partnerschaft bereits gekündigt, und auch bei Unternehmensberater Ralf Scharenberg haben sich mittlerweile ein Dutzend Nomos-Konzessionäre gemeldet, die eine Abkehr dieser neuen Vertriebsstrategie fordern. Eine Analyse von „Blickpunkt Juwelier“.


Nomos-Chef Schwertner war vorschnell. Erstens waren die bisherigen Nomos-Handelspartner über den Schritt, Chronext und Chrono24 direkt zu beliefern, nicht informiert. Sogar der äußerst zurückhaltende Juwelier Wempe sah sich gezwungen, in einer Pressemitteilung öffentlich Stellung zu beziehen und schrieb, dass man von dieser Entscheidung völlig überrascht worden sei. Zum anderen gewährt Nomos vor allem Chronext Vorschusslorbeeren. Bislang ist die Online-Plattform als Tummelplatz von Grauware bekannt. Nur weil Chronext nun verspricht, die Listenpreise einzuhalten, und die ersten drei Monate positiv gelaufen sind, ist es fatal, Chronext jetzt bereits auf die gleiche Stufe wie stationäre Händler  zu stellen. Wempe beispielsweise arbeitete 20 Jahre lang loyal mit Nomos zusammen und trug maßgeblich dazu bei, dass aus der einst unwichtigen Nischenmarke der deutsche Marktführer im Preisbereich zwischen 1.000 und 3.000 Euro wurde.

Das aktuelle Negativ-Echo der Konzessionäre hat Nomos sehr überrascht. Mittlerweile hat sich die Kritik gebündelt. Juweliere schließen sich bereits zusammen. Ralf Scharenberg, Unternehmensberater aus Münster und seit drei Jahrzehnten in der Uhren- und Schmuckbranche aktiv, ist Anlaufstelle für Juweliere, die mit der aktuellen Situation rund um Nomos nicht zufrieden sind. Mehr als ein Dutzend hochkarätiger Juweliere  haben sich bereits bei ihm gemeldet. Scharenbergs Ziel ist es, in dieser Sache eine neue Lösung zu finden. „Wir haben Interesse an einem dritten Weg“, sagt Scharenberg und meint damit weder den ersten, bisherigen Weg von Nomos (den digitalen Handel außen vor zu lassen) noch den zweiten Weg, nämlich Chronext und Chrono24 direkt zu beliefern. Dem digitalen Handel wolle man sich nicht verschließen, so Scharenberg: Das Internet und auch social media bieten fantastische Möglichkeiten dem Konsumenten Produkte näher zu bringen und Nachfrage zu erzeugen. Auch sollte der Konsument die Möglichkeit besitzen online Produkte zu erwerben. Aber es gehe um die Frage des Wie. Die Aufgabe der Hersteller sei es, für eine ordentliche Dosierung ihres Angebots zu sorgen, damit es keine Graumarktprobleme gebe. „Das Internet ist der Vorhof des Geschäftes“, so Scharenberg. Aber: „Der Verkauf gehört grundsätzlich in das Fachgeschäft.“

Der digitale Handel hat viel Althergebrachtes auf den Kopf stellt. Es mag schon sein, dass Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere, recht hat und sich das „Informationsverhalten der Kunden bei Uhren dramatisch verändert hat“. Doch noch immer spricht ein entscheidender Punkt für den Juwelier – auch wenn der Online-Handel viel kann, Chronext hat sogar eine Werkstatt, so gibt es doch nicht das entscheidende haptische Einkaufserlebnis lokal vor Ort.

Aber welche Leistungen sollte ein Juwelier erfüllen, wenn er auch künftig eine Marktrelevanz haben will? Wo ist die Dienstleistung des stationären Händlers gefragt? Scharenberg wird nun das Gespräch mit Nomos suchen mit dem Ziel, die beste Lösung im Sinne des Konsumenten zu finden. Er weist aber auch darauf hin, dass Plattformen wie Chronext langfristig alle gewachsenen Handelsstrukturen zerstören können, wie man in vielen anderen Branchen von der Mode bis zum Buchhandel sehen könne. Fortsetzung folgt.

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