Baselworld im Sinkflug

Messe in der Krise. Die negative Entwicklung der wichtigsten Messe der Uhren-Schmuck-Branche setzt sich weiter fort. Branchenkenner prophezeien eine Halbierung der Ausstellerzahl. Fest steht: Die fetten Jahre sind vorbei.


Nach einem bereits schwachen Jahr 2016 verzeichnete die Baselworld schon dieses Jahr 200 Aussteller weniger. Tendenz weiter sinkend. Die Besucherzahlen sanken ebenfalls um 4 %. Auch diese Entwicklung wird sich wohl kommendes Jahr fortsetzen.

Erste Reaktion der bis dato erfolgsverwöhnten Messeleitung auf diese Entwicklung nach der Baselworld 2017 war die Verkürzung der Messedauer um zwei Tage, was auch die Kosten für die Aussteller senkt. Anfang November gab der Betreiber, die börsenkotierte MCH Group, weitere geplanten Gegenmaßnahmen bekannt. Harte Kürzungen waren zwar erwartet worden, jedoch nicht in diesem erschreckenden Ausmaß.

Ausstellerzahl in zwei Jahren halbiert

So erwartet die Messeleitung laut SRF-Regionaljournal für 2018 nur noch 600 bis maximal 700 Aussteller (2016 waren es noch 1300 Aussteller!). Die bisherige Ausstellungsfläche soll um ein Drittel reduziert werden, wobei bereits dieses Jahr vor allem in der Schmuckhalle viele Flächen leer blieben. Die Hallen 4 & 5 wo u.a. Eterna mit einem großen Stand präsent war, gibt es 2018 nicht mehr. Eterna wird 2018 nicht mehr dabei sein, auch Hermès oder Dior, die in der Uhrenhalle im 1. Stock mit imposanten Messeständen vertreten waren, sind kommendes Jahr nicht mehr in Basel. Die französische Luxusmarke Hermès kündigte bereits im Frühjahr an, zur Konkurrenz nach Genf zu wechseln.

Offiziell kommt es bei der Standmiete – oft Gegenstand von Kritik – zu einer Senkung von 10 %. Inoffiziell ist bereits von einem Nachlass von 30 bis 50 % die Rede. Messesprecher Christian Jecker bestätigte im Interview mit SRF: „Wir haben im Sommer/Herbst 2015 festgestellt, dass vieles in Bewegung kommt. Seither haben wir uns überlegt, wie es weitergehen könnte.“ Allerdings seien die Umwälzungen viel schneller und radikaler eingetroffen als erwartet. „Es ist richtig, dass wir uns wesentlich verkleinern“, sagt Jecker und setzt sebstbewusst nach: „Aber wir sind noch immer die größte Uhren- und Schmuckmesse der Welt. Alle Topaussteller der letzten Jahre werden 2018 wieder nach Basel kommen.“ Jedoch gibt er auch zu, das die Messeleitung relativ ratlos ist: „Es ist schwierig zu sagen, wo wir in drei oder fünf Jahren stehen werden.”

Nach 1.600 Ausstellern im Jahr 2016 erwartet die Leitung der Baselworld für 2018 nur noch 600 bis maximal 700 Aussteller.

Die Gründe der schlechten Entwicklung sieht die Messeleitung in der weltweit schwierigen Situation der Uhrenbranche, die Umsätze seien stark zurückgegangen. Auch wirke sich die fortschreitende Digitalisierung wie etwa der Direktverkauf vieler Hersteller via Internet negativ auf das Messegeschäft aus.

Mit der Verkleinerung der Baselworld 2018 sei der Prozess wohl noch nicht abgeschlossen. Bleibt zu hoffen, dass die Baselworld bestehen bleibt. Schließlich ist sie ein wichtiges Aushängeschild der Uhrenbranche. Mehr als 3.000 Journalisten aus aller Welt kommen jährlich nach Basel, berichten über die Neuheiten und halten so das Thema Uhren für den Konsumenten begehrlich.